Walter trifft ...

„Über Hygiene wusste man vor Robert Koch nicht viel“

Händewaschen ist ja eigentlich etwas ganz Normales, über das die meisten Menschen gar nicht groß nachdenken. Denn jeder weiß, dass es Bakterien und Übertragungswege für Krankheiten gibt. Das war aber nicht immer so. Vor rund 150 Jahren hat sich nicht einmal das Krankenhauspersonal richtig die Hände gewaschen, geschweige denn desinfiziert. Weil sie einfach nicht wussten, was wir heute wissen! Das und vieles mehr habe ich von der Mikrobiologin Dr. Melanie Brunke bei einem Besuch des Museums im Robert Koch-Institut erfahren. Lest selbst.

Wer war Robert Koch? Zugegeben, obwohl ich mich für einen Experten in Sachen Händehygiene halte, konnte ich diese Frage bis vor Kurzem nicht richtig beantworten. Dabei hat der Mann viel dazu beigetragen, dass Bakterien und die Übertragungswege von Krankheiten heute so gut erforscht sind. Deshalb war mir klar: Wenn ich etwas über die Geschichte der Händehygiene erfahren möchte, muss ich ins Robert Koch-Institut und sein Museum besuchen.

Seit dem Jahr 1900 ist ein imposantes Backsteinhaus im Berliner Stadtteil Wedding Sitz des Robert Koch-Instituts. Damals hat Robert Koch das Institut noch persönlich geleitet. Seinen Namen trug das Institut zu Lebzeiten übrigens noch nicht, es hieß „Königlich Preußisches Institut für Infektionskrankheiten“. Unten im Erdgeschoss ist das kleine Museum untergebracht. Dort war ich mit Dr. Melanie Brunke verabredet, mit der ich über den berühmten Nobelpreisträger und seine Forschung sprechen wollte.

Robert Koch war ein deutscher Mediziner, Mikrobiologe und Hygieniker, der von 1843 bis 1910 gelebt hat. Im 19. Jahrhundert waren Infektionskrankheiten wie Tuberkulose, Cholera, Diphtherie oder Wundinfektionen die Haupttodesursache weltweit. Allein in Deutschland sind daran jedes Jahr hunderttausende Menschen gestorben – und man hatte keinen Schimmer, woran genau das liegen konnte. An Berührungen? Am Kontakt mit Kranken? An der schlechten Luft? Oder war es einfach Schicksal? „Robert Koch und seine Weggefährten entdeckten damals als Erste, dass diese Krankheiten durch Bakterien verursacht und übertragen werden“, hat mir Dr. Melanie Brunke erzählt. Für die Medizin war das ein Quantensprung.

Der „Retter der Mütter“

„Über Hygiene wusste man vor Robert Koch nicht viel“, erklärt sie mir, „jedenfalls nicht wissenschaftlich fundiert. Die ganze Medizin, die ganze Wissenschaft war noch nicht soweit. Es gab ein paar Ideen, die meist auf der Beobachtung von kausalen Zusammenhängen beruhten – also Ursache und Wirkung.“ 

Der ungarisch-deutsche Ignaz Semmelweis hat beispielsweise um 1850 entdeckt, dass manche Infektionen über die Hände übertragen wurden. Man muss sich das vorstellen: Damals haben Ärzte anatomische Untersuchungen an Toten vorgenommen und sich anschließend um Neugeborene und ihre Mütter gekümmert – ohne sich zwischendurch mal die Hände zu waschen und zu desinfizieren! Semmelweis‘ Kollegen wussten damals nicht viel von Hygiene und Hygienevorschriften und mussten mühsam überzeugt werden. Im Museum ist dazu ein Film – „Semmelweis – Retter der Mütter“ – zu sehen, sehr interessant. Recherchiert mal, ihr findet ihn auch im Netz. 

„Durch Robert Koch und andere Biologen und Mediziner seiner Zeit hat sich eine Menge getan“, sagt Dr. Melanie Brunke. „Er konnte beispielsweise einzelne Bakterienarten anzüchten, gefärbt im Mikroskop betrachten und mit neuen Methoden nachweisen, dass bestimmte Bakterien bestimmte Krankheiten in Menschen oder Tieren auslösen. Viele der Methoden werden – stark modernisiert – auch heute noch eingesetzt. Ganz wichtig ist auch der Austausch zwischen den Forschenden. Dadurch wissen wir heute, wie wir Infektionen vermeiden – durch richtiges Händewaschen und die Desinfektion, gerade im medizinischen Bereich. So werden krankmachende Keime abgetötet und Infektionen verhindert.“

Nicht alle Bakterien machen krank

Wobei auch Dr. Melanie Brunke Wert darauf legt, dass nicht alle Bakterien krankmachen, sondern nur ein Bruchteil. Mit einem Großteil der Bakterien, die am Menschen vorkommen, leben wir friedlich zusammen und brauchen diese auch, um gesund zu sein. Ob ein Bakterium jemanden krank macht, hängt außerdem davon ab, wie fit das Immunsystem ist – ein geschwächter Mensch kann auch durch eher harmlose Bakterien erkranken, die ein Gesunder nicht einmal bemerkt. Im Museum ist das Verhältnis von ungefährlichen Bakterien und krankmachenden Bakterien sehr eindrucksvoll illustriert. Ihr seht es auf dem Foto.

Einen Besuch im Museum im Robert Koch-Institut kann ich euch echt empfehlen. Übrigens erfahrt ihr dort nicht nur vieles über die Geschichte der Händehygiene, sondern auch über Viren, Bakterien und Krankheiten, die man nicht so einfach mit Händehygiene bekämpfen kann.