Walter trifft ...

„Eine einfache und wirksame Alltagsmethode“

Händewaschen oder Impfen? Was schützt besser vor Infektionen? Das ist eine der Fragen, die ich Frau Dr. Heidrun Thaiss, die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln, gestellt habe. Im Gespräch mit ihr habe ich einiges erfahren, was ich über das Händewaschen noch nicht wusste. Lest selbst.

Frau Thaiss, wie oft am Tag waschen Sie sich eigentlich die Hände?

Das ist ganz unterschiedlich, je nachdem, womit meine Hände am Tag in Berührung kommen. Insgesamt ist das aber relativ häufig, denn gründliches Händewaschen ist das einfachste Mittel, um viele Infektionskrankheiten zu vermeiden. Dabei kommt es gar nicht so sehr auf die absolute Häufigkeit des Waschens an, sondern auf bestimmte Situationen, vor oder nach denen man sich die Hände waschen sollte – insbesondere dann, wenn sie mit Krankheitserregern in Kontakt gekommen sein können. Denn dann besteht die Gefahr, diese Erreger über die Hände an andere Menschen zu übertragen. 

Grundsätzlich ist das gründliche Händewaschen ein Muss nach jedem Toilettenbesuch, vor und während der Zubereitung von Speisen, vor dem Essen und nach dem Naseputzen. Da ich im Laufe des Tages auch viele Hände schüttle, versuche ich, mir danach auch immer die Hände zu waschen, genauso wie abends, wenn ich nach Hause komme.

Die perfekte Handhygiene: Gibt es die überhaupt? Ist die realistisch?

Die perfekte Händehygiene lässt sich nur schwerlich definieren. Deshalb würde ich hier lieber von einer sehr guten persönlichen Händehygiene sprechen, die durchaus erreichbar ist. Eine Keimreduktion auf Null – sofern man dies unter einer perfekten Händehygiene versteht – ist allerdings durch Händewaschen weder erreichbar noch notwendig. Dieses Ziel ist zum Beispiel vor Operationen wichtig. Für eine gute Händehygiene im Alltag sollten die Hände anlassbezogen und – ganz wichtig – gründlich und ausreichend lange gewaschen werden.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Handhygiene?

Die BZgA führt regelmäßig repräsentative Befragungen in der Bevölkerung zum Hygieneverhalten durch. Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass sich viele Menschen zu selten die Hände waschen beziehungsweise nicht immer dann, wenn es wichtig wäre. Zwar gaben 96 Prozent der Befragten an, sich nach dem Toilettengang immer oder fast immer die Hände zu waschen, vor dem Essen jedoch sinkt diese Zahl auf nur noch knapp zwei Drittel, und wenn sie von draußen nach Hause kommen, ist es sogar nur noch die Hälfte der Befragten.

Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, die Hände nicht lange und nicht gründlich genug zu waschen. So gab nur gut die Hälfte der Befragten an, ihre Hände mindestens 20 Sekunden lang zu waschen. Dabei ist die Dauer des Händewaschens wichtig für den Erfolg. Das gründliche Einschäumen der Hände für 20 bis 30 Sekunden (am besten dabei langsam Zählen) trägt erheblich zur Verminderung der Keime bei. Wichtig ist an dieser Stelle auch, wirklich alle Bereiche der Hände gründlich einzuseifen. Die Fingerzwischenräume oder auch Fingerspitzen und Fingernägel können hierbei leicht übersehen werden. 

Das sorgfältige Abtrocknen der Hände gehört ebenfalls zur guten Händehygiene. Jeder Achte lässt die Hände nach dem Waschen an der Luft trocknen. Hier ist der Griff zu einem Handtuch oder in öffentlichen Sanitärbereichen zu Papiertüchern aber wichtig, denn Keime fühlen sich in einer feuchten Umgebung besonders wohl und können so leichter weitergereicht werden.

Viele denken ja, man könne es mit der Hygiene auch übertreiben. Bei kleinen Kindern zum Beispiel, die alles untersuchen, anfassen und sogar in den Mund nehmen wollen. Soll man das zulassen oder lieber nicht?

Bakterien und Viren sind ein ganz natürlicher Teil unserer Umwelt. Die meisten sind für den Menschen harmlos oder sogar nützlich. Insbesondere Kinder sollten nicht mit permanenten Desinfektionsmitteln in einer sterilen Umgebung aufwachsen. Das kann nachgewiesenermaßen sogar zu mehr Allergien führen. Denn das Immunsystem kann nur in der Auseinandersetzung mit der Umwelt reifen. Regelmäßiges Händewaschen hat aber mit übertriebener Hygiene nichts zu tun. Denn Händehygiene schützt uns auch vor den Krankheitserregern, die mitunter schwere Infektionen auslösen können.

Händewaschen oder Impfen? Was raten Sie?

Beim Infektionsschutz geht es nicht um ein „entweder oder“, sondern um ein „sowohl als auch“. Uns stehen heutzutage wirksame und sichere Impfstoffe gegen viele Infektionskrankheiten zur Verfügung. In Deutschland prüfen die Expertinnen und Experten der Ständigen Impfkommission (STIKO) jährlich die Datenlage und entscheiden auf dieser Basis, welche Impfungen in welchen Altersgruppen durchgeführt werden sollten. Durch den Einsatz von Impfungen kann sogar erreicht werden, dass eine Krankheit praktisch nicht mehr in der Bevölkerung auftritt. 

Das Händewaschen ist eine zusätzliche einfache und wirksame Alltagsmethode, mit der beispielsweise die Übertragung von Magen-Darm-Infektionen reduziert werden kann. Gegen diese Erreger gibt es oftmals keine Impfung.

Mit der kalten Jahreszeit beginnt ja auch die Grippesaison. Haben Sie eine Vorhersage für diesen Winter? Werden mehr oder weniger Menschen krank als in den Vorjahren?

Eine gesicherte Vorhersage zu der bevorstehenden Grippesaison ist nicht möglich. In Deutschland erkranken jährlich etwa zwei bis 14 Millionen Menschen an einer Grippe. Die Erkrankungszahlen können also sehr unterschiedlich sein und erst im Nachhinein lässt sich feststellen, wie schwer eine Grippesaison verlaufen ist.

Jedenfalls haben wir einen wirksamen Impfstoff zur Verfügung, mit dem insbesondere die Risikogruppen wirksam geschützt werden können. Die echte Grippe – „Influenza“ – ist keine harmlose Erkältung. Für manche Menschen kann eine Grippeerkrankung lebensbedrohlich werden. Im Jahr 2017/18 gab es 25.100 Todesfälle, die mit der Influenza in Verbindung gebracht wurden.

Den bestmöglichen Schutz vor einer Infektion bietet eine Impfung. Aber auch eine begleitende gute Händehygiene und richtiges Husten und Niesen können helfen, sich und andere vor einer Erkrankung zu schützen.

Haben Sie vielleicht noch andere Tipps, wie man sich und andere im Alltag vor Infektionen schützen kann?

Neben dem Händewaschen gibt es eine weitere zentrale Hygieneregel, die allerdings noch nicht bekannt genug ist. So sollte man sich beim Husten oder Niesen nicht ¬– wie oft zu beobachten – die Hand vor den Mund halten, sondern in die Ellenbeuge oder in den Ärmel husten oder niesen. Damit wird vermieden, dass Krankheitserreger in großer Zahl an die Hände gelangen. Sie bleiben beim nächsten Berühren von Gegenständen an diesen haften und werden dann beispielsweise beim Händeschütteln übertragen. Deshalb geht es beim gründlichen Händewaschen nicht nur um den eigenen Infektionsschutz, sondern auch um den der Mitmenschen, auf die die Keime über die Hände weitergegeben werden können. Man kann mit richtiger Händehygiene also sich selbst, aber auch den anderen etwas Gutes tun!

Weitere Informationen findet ihr auch auf der Internetseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zum Thema Infektionsschutz